Glanzvoller 36. Deutsche SportpresseBall

Wenn Weltstar Anastacia die Legende Reinhold Messner auf der Bühne trifft…

Zwei geflügelte Pferde für zwei Legenden? So mancher Stammgast in der Alten Oper staunte nicht schlecht, als bei der 36. Auflage des Deutschen SportpresseBalls gleich zwei Legenden auf der Bühne standen und ausgezeichnet wurden. Reinhold Messner, der aktuelle Preisträger und berühmteste Bergsteiger der Welt, erhielt einen Pegasos, überreicht vom mitternächtlichen Stargast Anastacia, nicht dafür, weil er als erster Mensch alle 14 Achttausender ohne Zuhilfenahme von Sauerstoff bestiegen hat. Sondern „weil er den Heroismus des Bergsteigens entmystifiziert hat“, wie Ballorganisator Jörg Müller sagte. „Nicht der Gipfel schenkt uns den Klimax“, erklärte der 73 Jahre alte Messner. „Das Runterkommen ist wie eine Wiedergeburt.“

Den zweiten Legenden-Pegasos erhielt nachträglich der schon 2008 ausgezeichnete Boris Becker, der beim Gang auf die Bühne von Hans-Jürgen Müller, dem Gründer und heutigen „Elder Statesman“ von Metropress, begleitet wurde. Der in wirtschaftlichen Schwierigkeiten steckende dreimalige Wimbledonsieger gab sich bescheiden, ja fast schon demütig. „Ich bin Sportler. Ich weiß, wer ich bin und was ich bin – in guten wie in schlechten Zeiten.“

Gute Zeiten, trotz ungeplanter Stürze und manch schlafloser Nächte, die haben auch Gesa Felicitas Krause und Nico Rosberg erlebt. Zum Zeichen von Fairness, Respekt und Menschlichkeit erhielten die Frankfurter Hindernisläuferin und der zurückgetretene Wiesbadener Formel-1-Weltmeister die Auszeichnungen in der Kategorie Sportler mit Herz.

   Die 36. Auflage des Deutschen Sportpresseballs, traditionell von mehr als 2300 Gästen in der Frankfurter Alten Oper gefeiert und, war auch für Kai Pfaffenbach, den Preisträger des Deutschen Sportmedienpreises,  die rechte Bühne zur rechten Zeit. Als ihm VDS-Präsident Erich Laaser und VFS-Vorsitzender Walter Mirwald, die beiden Veranstalter des von der Agentur Metropress organisierten Sportpresseballs, den Pegasos-Preis überreichten, schloss Pfaffenbach in seiner Danksagung ausdrücklich die vielen anderen Kollegen mit ein. „Ich habe diesen Preis im Namen aller meiner Kollegen auf der ganzen Welt angenommen. Bilder erzählen Geschichten, und alle von euch liefern Geschichten. News, Sport, Politik und Krieg – die Fotografen und ihre Kameras sind die Augen der Menschen, die nicht dort sein können, wo wir sind.“

    Der deutschen Sportpresseball, der wieder Stars und Sternchen, Profis und Prominente, Weltmeister und Weltbürger in die Alte Oper führte, war also eine rundum gelungene Sache. Ehrengast Petra Roth, die langjährige Frankfurter Oberbürgermeisterin und Freundin des Vereins Frankfurter Sportpresse, mit dem sie regelmäßig zum Skiseminar nach Hintertux fährt, sprach stellvertretend für viele von einem „sehr kurzweiligen, lebendigen, sportlich eleganten Ballabend“. Und Hessens Ministerpräsident und Schirmherr Volker Bouffier verriet, warum er gerade dem Deutschen Sportpresseball seit vielen Jahren die Treue hält: „Weil er ein heller Stern am Firmament der gesellschaftlichen Ereignisse ist.“

   Helle Sterne – die gab es im übertragenen Sinn schon am frühen Abend zu sehen. Wer Einlass in die Alte Oper begehrte, musste geduldig sein. Vor einer riesigen Werbewand hatten sich die vielen Fotografen und Fernsehteams postiert, um  Bilder von prominenten und weniger prominenten Gästen zu machen. Mittendrin: Attila. Das Maskottchen der Eintracht. Der Steinadler aus Hanau, der bei nahezu jedem Heimspiel der Frankfurter Fußballprofis in der Commerzbank-Arena ist und der Mannschaft von Trainer Niko Kovac Flügel verleihen soll. Auch beim Ballabend war Attila mit im Spiel – und dies aus gutem Grund. Erstmals in der Geschichte des Deutschen Sportpresseballs war es den Machern gelungen, den wichtigsten Klub  der Stadt mit ins Boot zu holen.

   Die Eintracht als Premium-Partner – das war augenscheinlich eine gute Wahl, denn wer durch die verschiedenen Flure und Etagen der Alten Oper flanierte, sah jede Menge Eintracht-Protagonisten. Ein paar Spieler von heute, die am Vorabend noch Werder Bremen besiegt hatten, das Gros aus vergangenen Tagen, in denen ein Kulttrainer wie Dragoslav Stepanovic Zigarillo rauchend auf der Bank saß und die Hand schon an der Meisterschale hatte. Ja, ja, Rostock 1992. Nichts ist es geworden damals an der Ostseeküste. Die Eintracht wartet seitdem auf die nächste Chance. Sie wird sich in großer Geduld üben müssen.

   Um dem neuen Ball-Partner Eintracht eine passende Bühne zu bieten, gab es für die Saalgäste einen Film zu sehen. Gemacht, wie im Übrigen auch die anderen cineastischen Werke für Reinhold Messner, Gesa-Felicitas Krause und Nico Rosberg, von VFS-Mitglied Eike Schulz. Der Filmemacher des ZDF steuert seit Jahren schon die emotionalen Werke bei, die längst zu einem Markenzeichen des Deutschen Sportpresseballs geworden sind.

   Ob auch Motsi Mabuse zu einem Markenzeichen des Balls werden kann, muss abgewartet werden. Richtig ist: Weil die Veranstalter und Organisatoren des Balls diesmal den Fokus auf das Tanzen gelegt und unter dem Ballmotto „Hier tanzt Deutschland“ in die Alte Oper gebeten haben, kam der Jurorin der RTL-Sendung „Let’s dance“ eine besondere Rolle zu. Gemeinsam mit ihrem Ehemann sowie Schülern ihrer Tanzschule zeichnete die impulsive Mabuse für die Eröffnungsshow verantwortlich. Eine gelungene Premiere, die in Kombination mit den vielen anderen Attraktionen dieses Balls Appetit auf die 37. Auflage 2018 machen dürfte.

Ralf Weitbrecht

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