Kai Pfaffenbach erhält Sportmedienpreis 2017

Der besondere Fotograf für die besonderen Momente

Viele weiße Flecken gibt es nicht mehr auf dem Globus. „Ich bin schon auf allen fünf Kontinenten gewesen“, sagt Kai Pfaffenbach. „Was noch fehlt, sind Feuerland und die Antarktis.“ Wetten, dass der 46 Jahre alte Hanauer das auch noch schafft?

   Kai Pfaffenbach, das ist mehr als nur ein Tausendsassa. Das ist einer, der sein Handwerk wie kaum ein Zweiter versteht und mit einer Gabe gesegnet ist, die ihn von den meisten anderen Fotografen unterscheidet. Immer auf Ballhöhe, immer zur rechten Zeit am rechten Ort: Das hat viel mit Gespür und Feinsinn zu tun. Mit der Fähigkeit, Dinge durch den Sucher zu sehen, die besonders, anders, einzigartig sind. Usain Bolt, der größte Sprinter aller Zeiten, auf der Zielgeraden, mit ausgestrecktem Zeigefinger, in der Pose des Blitz-Machers: Kai Pfaffenbach hat sie alle gemacht – und für seine Fotos mächtig abgeräumt.

Hier ein erster VDS-Preis, dort der Sven-Simon-Preis, hier ein World Press Photo Award, dort gemeinsam mit seinen Reuters-Kollegen sogar der Pulitzer Preis. Kein Zweifel: Kai Pfaffenbach ist ein Großer. Ein Star der Szene, der keiner sein will. Der heute noch davon schwärmt, live dabei gewesen zu sein, „bei diesem Hammerspiel zwischen Liverpool und Mailand“. Damals in Istanbul, im Champions League-Finale, als die Engländer schon scheinbar hoffnungslos 0:3 zurücklagen, um später doch noch im Elfmeterschießen zu gewinnen.

Kai Pfaffenbach hat die passenden Bilder dazu gemacht. 2005 ist das gewesen. Da hätte er schon längst bei der F.A.Z. Redaktionsfotograf sein können. Doch das Angebot, Anfang der neunziger Jahre fest einzusteigen, lehnte er ab. „Ich wollte die Zusage, dass ich bei Olympischen Spielen sowie Fußball-Welt- und Europameisterschaften dabei bin.“ Die Zusage blieb aus. Pfaffenbach suchte eine neue Herausforderung und fand sie schnell bei Reuters.

  Doch es ist nicht nur der Sport, der ihn fasziniert. Auch schwierige Reisen in Krisengebiete wie Syrien und Afghanistan nimmt er in Angriff. „Freiwillig“, wie er betont. Niemals sei er von seinen Vorgesetzten, die ihm große Freiräume gewähren, dazu gezwungen worden.

   Selbstlos – das ist Kai Pfaffenbach, der stolze Vater von „Wunschkind“ Käthe, vor allem bei der Leichtathletik-WM in Moskau gewesen. Es war der Beginn seiner Freundschaft zu dem deutschen Kugelstoßer David Storl. Weil nämlich Pfaffenbach – wieder einmal – zur rechten Zeit am rechten Ort war und unbestechliche Bilder machte, erhielt Storl doch noch Gold. Ein ursprünglich als ungültig gewerteter Versuch wurde dank Pfaffenbachs Bilder nachträglich für gültig befunden. Der Fotograf  bekam dafür den Fairplay Preis des deutschen Sports – völlig zu Recht!

Und es passt zur Vita dieses außergewöhnlichen Bildkünstlers, der dem Fernsehpublikum bei sportlichen Großereignissen auch durch seine langen, mal rot, mal grün geringelten Strümpfe auffällt, dass es Kai Pfaffenbach gewesen ist, der auf meisterliche Weise das Siegtor von Mario Götze im WM-Finale von Rio 2014 „geschossen“ hat. Auch dafür wurde er mit Preisen geehrt.

   Kai Pfaffenbach – ein besonderer Fotograf für die besonderen Momente. Ein mehr als würdiger Preisträger des Deutschen Sportmedienpreises 2017.

 

Ralf Weitbrecht

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