Trauer um Günter Wölbert

Ein Grandseigneur der alten Schule

Der Verein Frankfurter Sportpresse trauert um den einstmals populären Fernsehjournalisten Günter Wölbert, dessen journalistische Laufbahn in Frankfurt begann. Günter Wölbert ist am 21. Juni im Alter von 93 Jahren gestorben. Er war ein Grandseigneur der alten Schule. Stets korrekt in Haltung, Sprache und Aussehen, nie laut, nie aufbrausend, immer höflich, stets um Fairness bemüht. Ausgewogenheit in der Sportberichterstattung war ihm ein ganz großes Anliegen.

Wölbert war am Ende seiner journalistischen Karriere Leiter der Sportredaktion des SWR in Stuttgart. Seine große Liebe war der Fußball. Er zählte zu den bekannten Live-Reportern der ARD wie Ernst Huberty und Rudi Michel und berichtete von mehreren Fußball-Weltmeisterschaften sowie von Olympischen Spielen und anderen sportlichen Großereignisse.

Lassen wir jetzt seinen 2015 verstorbenen Freund Helmer Boelsen sprechen, der Günter Wölbert zu dessen 90. Geburtstag in der „Buschtrommel“  des Vereins Frankfurter Sportpresse gewürdigt hat:

Mit einem als „Leserbrief“ gedachten Schreiben an die „Frankfurter Neue Presse“ begann 1948 die journalistische Karriere des Günter Wölbert. Der unvergessene Richard Kirn fand den Beitrag interessant genug, um ihn als Artikel ins Blatt zu stellen. Er traf sich mit dem jungen Mann und riet ihm: „Fangen Sie mal im Sport an.“

Die erste große Enttäuschung, dass von den beim ersten Auftrag, einem Sportfest des ARKB Solidarität, verlangten 15 Zeilen (er hat natürlich 30 geliefert) nur ganze acht dem Rotstift des Redakteurs trotzten, steckte er mit der ihm eigenen Gelassenheit weg. Mit ihr schritt er stets unaufgeregt durch das hektische Journalistenleben, und mit gleichen Tugenden versah er auch seine Rolle als Spielmacher in unserer Sportpressemannschaft.

Die Geschichte von meinem Freund Günter und dem SV Tempelsee wurde schon oft geschrieben und erzählt, aber sie ist immer wieder schön: Auf einer Fahrt nach Paris, wo wir auch in Reims und Rouen „international“ spielten, setzte er sich mit der Schreibmaschine auf den Knien auf die Hinterbank des VW-Käfers und klapperte ohne Unterlass. In der französischen Metropole meldete er dann ein R-Gespräch zur Frankfurter Rundschau an, zu der er gewechselt war, und verblüffte den Aufnahmemann nach der Meldung „Wölbert aus Paris“ mit dem Diktat: „In der A-Klasse Offenbach hat der SV Tempelsee nach einem 3:1 gegen die SG Rosenhöhe die Tabellenspitze übernommen…“

Sehr bald hatte sich Günter Wölbert dank früher internationaler Berichterstattung bei den Olympischen Spielen 1952 in Helsinki (mit Unterstützung des VFS) und den Fußball-WM 1958 in Schweden und 1962 in Chile einen Namen gemacht. So überraschte es nicht, dass er 1962 von der Sport-Illustrierten, die von Stuttgart nach Karlsruhe verkauft worden war, als Chefredakteur verpflichtet wurde. Als sie weiter verkauft wurde nach München, zog er nicht mit um.

Er hatte beim Südfunk Stuttgart als Fernsehmann angeheuert, arbeitete dort auch fünf Jahre für „Report“, das dann nach Baden-Baden umsiedelte – ohne ihn. 1978 übernahm er von seinem Förderer Dr. Jörg Stockinger die Sportredaktion in Stuttgart und behielt die Redaktionsleitung bis zur Pensionierung in den Händen.

Soweit Helmer Boelsen. Der Verein Frankfurter Sportpresse hatte im Herbst letzten Jahres Kontakt zu Günter Wölbert, der zu unserem Jubiläums-Buch zahlreiche Fotos aus der Vergangenheit beigesteuert hat. Wir werden dem verstorbenen Kollegen ein ehrendes Andenken bewahren.

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