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Ein Nordlicht in Hessen - Zum Tod von Rainer Fülscher




Wenn Rainer Fülscher journalistisch in die Tasten griff, war zumeist ein Ball im Spiel. Der sanfte Hüne aus dem hohen Norden, den es Anfang der 1980er Jahre beruflich nach Hessen verschlug, war als Sportredakteur der Deutschen Presse-Agentur im Frankfurter Büro natürlich oft mit dem Fußball beschäftigt. Kein Wunder, hat doch der Deutsche Fußball-Bund seinen Sitz am Main. Und über den weltgrößten Sportverband gab es schon immer viel zu berichten.


Darüber hinaus verbrachte Rainer unzählige Stunden bei den Spielen der Eintracht im Waldstadion, war auf dem Betzenberg in Kaiserslautern, am Darmstädter Böllenfalltor und auch bei den lange zurückliegenden Bundesliga-Auftritten des FC 08 Homburg und 1. FC Saarbrücken hautnah dabei.


Seine große Leidenschaft war jedoch der Handball, den er mehr als 15 Jahre lang intensiv begleitete. Er erlebte die Ära von Bundestrainer Simon Schobel mit Olympia-Silber 1984 als Höhepunkt, den folgenden Absturz in die C-WM, den Aufschwung nach der deutschen Wiedervereinigung und die Anfänge der goldenen Zeiten unter Heiner Brand.


Auch in der Region war Rainer, der sich stets kollegial verhielt und für keine Aufgabe zu schade war, tief verwurzelt in der Handball-Szene. Er beschrieb den Aufstieg der SG Wallau/Massenheim, die zu Beginn der 1990er Jahre zweimal deutscher Meister und dreimal Pokalsieger wurde sowie einmal den IHF-Pokal gewann, aber auch deren Fall mit der Insolvenz und dem Zwangsabstieg im Jahr 2005. Und obwohl der TV Großwallstadt nicht in Hessen ansässig ist, war er auch dort nah dran am Geschehen.  


Nach den Olympischen Spielen 2000 in Sydney entdeckte Rainer eine neue sportliche Liebe – Golf. Fortan drehte sich fast alles um Fachbegriffe wie Birdie, Bogey oder Putten. Rainer reiste zu den großen Major-Turnieren und schrieb über Größen wie Bernhard Langer oder Tiger Woods. Das blieb so bis zum Ende seiner beruflichen Tätigkeit 2012.


Der Sport war ein wichtiger Bestandteil seines Lebens, aber längst nicht alles. Die Familie mit Ehefrau Cornelia, die er 1983 kennenlernte, und den Söhnen Ian und Finn, stand für ihn stets an erster Stelle. Lesen und Reisen gehörten zu seinen liebsten Hobbys. Und in der Küche agierte Rainer, der sich durch einen trockenen Humor auszeichnete, meisterlich. Gerne lud er Freunde und Kollegen zu sich nach Wildsachsen ein, wo bei leckerem Essen und einem feinen Tropfen oft bis tief in die Nacht hinein über Gott und die Welt diskutiert wurde.


In den vergangenen Jahren erschwerten ihm zunehmende gesundheitliche Probleme das Älterwerden. Am 28. Juni hörte sein Herz mit 77 Jahren für immer auf zu schlagen. Wir werden ihn vermissen.


Eric Dobias

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