Scharfer Blick für die Schwächen der Starken - Zum Tode von Evi Simeoni
- ralfweitbrecht3
- vor 11 Minuten
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Mit leichter Feder, mit scharfen Spitzen berichtete Evi Simeoni mehr als 40 Jahre lang in der F.A.Z. über Schönes und Schlimmes im Sport. Und setzte dabei mit großem Mut ihre Überzeugungen durch.
Ein Nachruf von F.A.Z.-Sportchef Anno Hecker
Sie gehörte zu den Kleinsten in der Redaktion, war zierlich und, wie sie gerne sagte, „ohne Muckis“. Die Andeutung eines Bizeps reichte ihr. So ging Evi Simeoni federleicht zu den größten Gewichthebern. Und erkannte mit scharfem, alles Eisen durchdringendem Blick die Schwächen der stärksten Männer der Welt. Ein symbolisches Bild für ihre Arbeit in der Sportredaktion der F.A.Z.
Von 1981 an, über mehr als vierzig Jahre, reiste sie als Redakteurin, Reporterin und Stellvertretende Ressortleiterin durch die Welt des Sports, stets mit dem Kopf voran. Sosehr ihr Herz auch pochend schlug für die Leistungen der Menschen, für die kraftvolle Synchronisation der Ruderer im Achter, für den Mut der Abfahrtsläufer, für die Schnelldenker in den Formel-1-Cockpits und die Eleganz von Pferd und Reiter bei schwierigsten Pirouetten, so sehr zog es sich zusammen, wenn Evi Simeoni nur den Hauch der Manipulation spürte.
Mit allen journalistischen Mitteln
gegen Machtmissbrauch
Dann hob die Schwäbin aus Stuttgart mit leichter Feder, mit scharfen Spitzen zwischen den Zeilen aus dem Sattel, wer hoch zu Ross die Peitsche geschwungen hatte zur Machterhaltung in durchtriebenem Spiel. Ob den mächtigen Formel-1-Boss, den mit Dopingmitteln vollgepumpten „Tour-Patron“ oder einen IOC-Präsidenten: Aus ihrem Entsetzen über Machtmissbrauch zulasten junger Menschen, über den „Verrat“ an Kernwerten des Sports zog die zweimalige Sportjournalistin des Jahres immer wieder eine unbändige Kraft, mit allen journalistischen Mitteln dagegen anzuschreiben.
Ihre mit geschliffener Sprache formulierten Überzeugungen, ihr Umgang mit den Protagonisten des Sports führten auch dort zu Ehrungen, wo sie unter die Decke schaute und Schlimmes zutage führte. Die teils enttäuschenden Erfahrungen, ihre Gespräche mit Geschundenen des Spitzensports, verarbeitete sie in viel beachteten Romanen wie „Schlagmann“ oder „Rückwärtssalto“ – ohne das Glück aus den Augen zu verlieren.
Auch sie fand Glück
bei den Pferden
Evi Simeoni fand es besonders bei den Pferden, ob als Autorin in der Arena oder als begeisterte Beobachterin einer Fohlengeburt. Mit Isabell Werth, der erfolgreichsten Dressurreiterin der Geschichte, veröffentlichte sie unter anderem ein mit ungeheurem Aufwand und viel Herzblut geschriebenes Buch: „Vier Beine tragen meine Seele“.
Dieses Gefühl sah sie als Aufforderung, auch tragen zu müssen, wenigstens als Autorin mitzutragen. Die letzte von rund 5400 Geschichten in ihrer F.A.Z. drehte sich um einen starken Mann, um einen erfolgreichen Gewichtheber und Trainer, um das, was ihn über Jahrzehnte bedrückt, fast alle Kraft gekostet hatte. Sie erschien an Silvester 2025.
Weitere Stücke von oni. als „freie Mitarbeiterin“ waren besprochen. Aber dann verlor sie in einer wochenlangen Leidenszeit plötzlich alle Kraft. In der vergangenen Woche ist Evi Simeoni im Alter von 68 Jahren gestorben.
Der VFS trauert um sein langjähriges Mitglied Evi Simeoni.
Dieser Nachruf ist am 30. Juli erschienen auf der Internetseite www.faz.net sowie in der Printausgabe der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Der VFS bedankt sich bei Anno Hecker für die Veröffentlichung auf der Vereins-Homepage.




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