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Die Institution in Sachen OFC - Zum Tode von Erich Müller


Erich Müller

Zuverlässig, hilfsbereit, immer für die anderen da: Das sind die ersten Charaktereigenschaften, die einem bei Erich Müller einfallen.


Und dann dieses unfassbar große Wissen über den Sport in Stadt und Kreis Offenbach und ganz speziell über seinen Verein, die Offenbacher Kickers. Erich Müller war die Institution in Sachen OFC, hat ihn über Jahrzehnte begleitet, alle Höhen und Tiefen miterlebt und für die Zeitung beschrieben. Finale um die deutsche Meisterschaft 1959 gegen die Eintracht, DFB-Pokalsieg 1970 gegen den 1. FC Köln, als er zur Siegesfeier mit in die Kabine durfte, die Offenbacher Bundesliga- und Europacup-Spiele: Erich Müller war dabei. Auch als es mit den Kickers bergab ging bis in die hessische Oberliga, die „Wald- und Wiesenliga“, wie er sie nannte. Erich Müller hat 39 Jahre für unsere Zeitung gearbeitet, die Sportredaktion viele Jahre geleitet - am 18. August ist er im Alter von 86 Jahren verstorben.


Erich Müller ging in seinem Beruf auf, den er als Berufung sah. Allzu oft musste das Privatleben, seine Frau Uschi, die 2018 verstarb, und sein Sohn Lars Oliver, zurückstecken, wenn es in der Redaktion wieder mal später wurde, wenn an den Samstagen und Sonntagen die 12-Stunden-Dienste fällig waren. Der gelernte Schrift- und Maschinensetzer schrieb zunächst als freier Mitarbeiter für die Frankfurter Rundschau, ab 1960 dann für die OP. Von 1963 bis 1966 war er Technischer Leiter der Abendpost, wechselte zur OP und rückte in die Sportredaktion. Von 1990 bis zu seinem altersbedingten Ausscheiden 1999 war er Leiter der Sportredaktion. „Er war in jeder Hinsicht ein Vorbild“, sagte der ehemalige Chefredakteur Frank Pröse über Müller.


Als Erich Müller 1999 in den Ruhestand ging, blieb er für die Zeitung als freier Mitarbeiter unverzichtbar. Seine Kontakte zu den Fußballern der großen Kickers-Zeiten waren unersetzlich. Mit dem größten Offenbacher Fußballer, Hermann Nuber, ging er gemeinsam in die Friedrichschule (heute Albert-Schweitzer-Schule). Sie spielten bereits als gleichaltrige Buben in ihren Straßenmannschaften gegeneinander. Er hat Stars wie Rudi Völler von Beginn ihrer Karriere an begleitet - und die wussten sein Tun zu schätzen. Als für die Aktion der OP „Rettet den Bieberer Berg“ noch ein Anreiz für eine Spendensammlung fehlte und es schnell gehen musste, sagte Erich Müller. „Ich kümmere mich um ein Trikot von Rudi Völler.“


Der ehemalige OFC-Jugendspieler war gerade mit der Nationalmannschaft im Trainingslager. Erich Müller rief im Hotel an und ließ ausrichten: „Sagen Sie dem Rudi, der Erich von der Zeitung hat angerufen.“ Kurz darauf der Rückruf von Weltmeister Völler, zwei Tage später war das unterschriebene Nationalmannschaftstrikot da.


Müller, einst selbst Fußballer und Tischtennisspieler beim BSC 99 Offenbach, hatte nicht nur die Kickers, sondern den gesamten regionalen Sport komplett im Blick. 2012 wurde Müller von der Stadt Offenbach für seine „großen Verdienste um den Sport in Offenbach“ mit dem Ehrenbrief der Stadt ausgezeichnet. „Er war ein Mann der ersten Stunde der Offenbacher Sportstiftung und stand vielen jungen Sportlern mit Rat und Tat zur Seite“, würdigte der damalige OB Horst Schneider das Wirken Müllers über 34 Jahre in der Sportstiftung.



Völlig verdient: Erich Müller erhält von OB Horst Schneider den Ehrenbrief der Stadt Offenbach Foto Bernd Georg

Ob Fußball, Kegeln, Kunstradfahren - wer etwas wissen wollte, bekam von Erich Müller die richtige Antwort. Er kannte in der Sportszene jeden, und jeder kannte Erich Müller. Er war immer für die Sportlerinnen und Sportler, für die vielen ehrenamtlichen Helfer, für die Vorstände, für die Vereine da. Das hat ihm Größe gegeben - hat ihn aber nie sich selbst überhöhen lassen. Erich Müller war zwar Chef, der immer für alles Verantwortung übernahm, aber er war immer Kollege, wie einer im besten Sinne genannt wird: zuverlässig, hilfsbereit und immer für die anderen da. Man konnte sich keinen besseren Chef und Kollegen vorstellen.


Jochen Koch