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Die Rückkehr des Imperiums in Corona-Zeiten

Ein Kommentar von VFS-Mitglied Eike Schulz



Der Profifußball will sein Comeback wagen. Nach seiner unverschuldeten Premieren-Frühlingspause zeigt er aber weiterhin zwei seiner Symptome: Aus der selbst hoch geschraubten finanziellen TV-Rechte-Abhängigkeit eine Öffentlichkeit darstellen zu müssen und den rasierscharfen Grat der weiterhin möglichen Ansteckung auf Null zu halten. Auch die größten Pandemie - Auswirkungen, die der Welt den Stecker ziehen, holen ihn, den Profifußball, nicht aus seiner eigenen Blase heraus. Ganz im Gegenteil.

Lautlos auf Bewährung im Stadion, aber wieder sichtbar am Fernsehschirm. Diese Art von Existenzkampf lässt Profi-Fußballspieler auf eine ungewollte Ebene springen: Auf den besonderen Status von Ärzten. Sollte nämlich einer aus dem Fußball-Team an Sars-CoV-2 erkranken, wird nicht die gesamte Mannschaft in Quarantäne geschickt. Sie darf, ja sie muss weiterhin arbeiten und wird zeitlich noch enger getestet. Bei Ärzte-Teams ist es genauso. Sie haben aber auch Systemrelevanz.

Ob von einer Ansteckung im Fußball-Lager die Öffentlichkeit erfährt, ist mehr als nur fraglich. Mit anderen Worten: Der Fußball nimmt sich heraus, wovon die Lufthansa nur träumen darf: Für seine Fans wieder „fliegen“ zu dürfen. Mit anderen Regeln als in der "normalen" Gesellschaft. Es gleicht einer visuellen Rückzahlung an die, die dem Profifußball nur von sich aus eine besondere Wichtigkeit zuschreiben. Viele erkennen diese in Zeiten von Corona nicht.

Für Fußball-Fans scheint aber mit der Rückkehr von sportlicher Dramatik auf dem TV-Schirm so etwas wie ein verloren gegangenes Lebensgefühl zurückzukehren. Umso mehr in der sozialen Distanz, wenn der Knopf auf der Fernbedienung am Samstag um 15.30, 18.30 und um 23.00 Uhr nicht mehr ohne Sinn ist und das Alleinsein dann nicht einsam macht. In Zeiten von Corona ist Profifußball anders als alles Vergleichbare. Und an dieser Fallhöhe wird der Profifußball sich messen lassen müssen. Mit Fiebergeräten und Abstrichen! Auch von der Politik, die am Ende immer noch den Finger senken kann über eine Sportart, mit ureigenen Qualitäten und der Frage: Wie überlebenswichtig sind Emotion, Spannung und Identifikation in Zeiten von Corona?


Ein Kommentar von VFS- Mitglied Eike Schulz

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