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Ein Hemingway am Ball - eine Würdigung zum 80. Geburtstag von Dieter Hochgesand


Mann des geschriebenen und gesprochenen Wortes: Dieter Hochgesand

Liebste: Können wir? Ich: Gleich. Liebste: Was ist denn? Ich: Ich mach' grad noch den Text über Dieter fertig. Liebste: Was fürn Dieter? Ich: Dieter Hochgesand, der wird am 8. Oktober 80.


Liebste: So en Kicker von der Eintracht? Ich: Nee, nee, aber kicken konnte er auch, bei uns in der Sportpresseelf. Ein ganz hoch geschätzter Kollege von der Rundschau, früher hat er über

die Eintracht und die Nationalelf geschrieben, eigentlich über alles im Fußball. Liebste: Und jetzt nicht mehr. Ich: Nein, er ist schon längst in Pension, wohnt jetzt in Tübingen, warum

auch immer. Er hat rechtzeitig die Kurve gekriegt, er war nach seiner Redakteurs-Zeit nochmal Geschäftsführer bei der Stadion GmbH. Andere schreiben, bis sie tot umfallen. Er nicht. Und er hat eine Frauenmannschaft trainiert. Liebste: Und die sind dann prompt abgestiegen...


Ich: Haha. Im Gegenteil. Sind durchgestartet. Die SG Praunheim... Liebste: Braunheim? Wie Gelbwurst. Ich: Witzig. Eigentlich wollte der Dieter damals, eingangs der 80er Jahre, nur eine Reportage schreiben über die Praunheimer Fußballerinnen, am Ende war

er Trainer. Liebste: Konnte der das überhaupt? Ich: Klar, er hatte den entsprechenden Trai-

nerschein, theoretisch wusste er eh alles besser, er hat Bücher geschrieben über Trainer und so, und Praxis hat er eh genug gehabt, so viele 1000 Fußballspiele, wie der gesehen hat.


Er war damals ja eine Ikone unter den Fußball-Reportern, musst du wissen, auf du und du mit den ganz Großen, mit Beckenbauer hat er mal beim Einlaufen ins Waldstadion ein Interview geführt, mit Gyula Lorant Zigarre geraucht, aber am besten war er, wenn er rennen musste... Liebste: Wie das?


Ich: In Albanien war das, nach einem Länderspiel. Es gab damals nur ganz wenige Telefone, die Hälfte war kaputt... Liebste: Telefone.... Ich: Mensch, das war eine andere Zeit, nix Smartphone, nix Internet, nix Wlan, Facebook oder Instagram. Dafür mit

Schreibmaschine, einer Olympia, glaub' ich, Rohrpost, Bleisatz und Akkustikkoppler. Und Telefon, für das man einen Anschluss bestellen musste. Und zu dem im Hotel in Tirana ist der

Dieter gesprintet, da war ein Telefon, um als Erster seinen Text vom Spiel durchzutelefonieren. Frei aus dem Kopf, er hatte nix vorgeschrieben.


Liebste: Und das hat geklappt? Ich: Ja, gut sogar, kann man sich heute gar nicht mehr vorstellen. Und noch was: Damals musste man was wissen, mehr als heute, wo alles nur ein, zwei Klicks im Netz entfernt ist. Für die Statistik gab es den Kicker, das war's, Eckbälle wurden per Strichliste gezählt.

Liebste: So sahen die Texte dann bestimmt auch aus... Ich: Eben nicht, zumindest wenn Dieter schrieb. Der konnte echt gut schreiben, mächtig, wortgewaltig, zärtlich... Liebste: Ein Hemingway am Ball.


Ich: Übertreib mal nicht. Aber ihn hab ich mir zum Vorbild genommen als aufstrebendes Talent. Er hat ja den Sportjournalismus, er hat das Schreiben über Fußball

auf eine höhere Ebene gestellt, hat soziologische Aspekte herausgearbeitet, sportwissenschaftliche, gesellschaftliche, psychologische. Das hat sonst keiner getan. Er hat die Geschichte hinter dem Ereignis gesucht. Liebste: Und gefunden? Ich: Klar.


Das Besondere hat ihn gereizt, eine 1:0-Berichterstattung war nicht seine Sache. Liebste: War seine Frau nicht eifersüchtig? Ich: Eifersüchtig? Liebste: Weil er doch die Frauenmannschaft trainiert hat... Ich: Quatsch.


Einmal ist der Dieter sogar aus Rom extra zu einem Spiel seiner Frauen gekommen. Liebste: Echt? Ich: Es war die WM 1990 in Italien, als Deutschland Weltmeister wurde und Beckenbauer so ganz allein über den Endspielrasen gelaufen ist. Also da ist er ein paar Tage vorher schnell zurückgeflogen, weil Praunheim ein wichtiges Spiel hatte. Und auf ihren Trainer sollten die Mädels nicht verzichten. Liebste: Wie süß. Wie hieß der Mann nochmal, Dieter... Ich: ...Hochgesand.


Liebste: Hat's was gebracht?


Ich: Weiß nicht mehr. Aber die Praunheimerinnen haben sich seinerzeit rassige Duelle mit dem FSV Frankfurt geliefert, dann wurden sie zum 1. FFC. Und jetzt spielen sie alle unter dem Dach von Eintracht Frankfurt. Liebste: Und der Herr Hochgesang? Ich: Hochgesand, Liebste, Hochgesand mit d.


Der ist in Tübingen, hab ich doch gesagt. Der beobachtet das alles bei bester Gesundheit aus der Ferne, er spielt noch ein bisschen Golf, und manchmal kauft er sich die FR, die gibt's in Tübingen nämlich am Bahnhof. Und ein Buch hat er auch noch über die Frauen geschrieben, „Früchte des Traums“, heißt es.


Liebste: Okay. Das hättest du jetzt aber alles schön aufschreiben können...


Ich: Hätte ich, ja.


Liebste: Können wir endlich gehen. Ich: Ich komm ja schon.


Thomas Kilchenstein

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