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"Wir müssen hinschauen und gegensteuern" - Kerstin von Kalckreuth, die Antidiskriminierungsbeauftragte im VDS, sieht den Schwerpunkt ihrer Arbeit im Verborgenen



Kerstin von Kalckreuth Foto: Tilo Wiedensohler/VDS

Die Sportjournalistin aus Köln erklärt im Interview ihre Beweggründe und die Inhalte ihres Ehrenamtes.


Kerstin von Kalckreuth, welche Schwerpunkte werden Sie als neue und unabhängige Ansprechpartnerin bei Diskriminierung und Gewalt im Verband Deutscher Sportjournalisten (VDS) setzen?


Ich sehe meine Aufgabe zweigeteilt. Der Schwerpunkt meiner Arbeit wird im Verborgenen liegen. Betroffene können mir unter antidiskriminierung@sportjournalist.de schreiben. Ich bin weder Therapeutin noch professionelle Beraterin, daher ist diese Anlaufstelle nicht mit einer psychotherapeutischen Erstberatung zu verwechseln. Aber ich biete ein offenes Ohr und viele Jahre Berufserfahrung – angefangen Ende der 90er Jahre, als Frauen im Sportjournalismus eine echte Rarität waren und es Kollegen gab, die einem schon mal „aus Versehen“ an den Hintern gegriffen haben, bis in die Aktualität, in der zum Beispiel junge Kolleginnen und Kollegen mit Zeitverträgen kämpfen und unter Machtmissbrauch leiden. Gerne vermittle ich die Betroffenen an eine für sie hilfreiche Stelle weiter. Wichtig ist mir aber auch, innerhalb des Verbandes für die Themen Diskriminierung, Belästigung und Formen von Gewalt zu sensibilisieren. Wir alle können und müssen hinschauen und gegensteuern.

 

Auf welche unterstützenden Maßnahmen können Betroffene zurückgreifen?


Viele Mitglieder wissen nichts über unsere kostenlose Rechtsberatung, die wichtige Dienste leisten kann. Das möchte ich ändern. Außerdem gibt es je nach Vorfall und Situation verschiedene professionelle Beratungsstellen in Deutschland, die wertvolle Arbeit leisten. Wir als Berufsverband wollen für unsere Mitglieder da sein, wenn der Arbeitgeber nicht weiterhelfen kann / will oder sogar das Problem darstellt.

 

Welche Vorkehrungen werden getroffen, dass mögliche Vorfälle nicht an dritte Personen gelangen, sondern Anonymität sichergestellt ist?


Tatsächlich arbeite ich in dieser Funktion völlig unabhängig vom Verband Deutscher Sportjournalisten. Nur ich habe Zugriff auf das Postfach. Keine Dritte, kein Dritter kann sich dort einloggen, auch kein Administrator. Betroffenen ist frei gestellt, ob sie sich anonym melden und welche Kontaktdaten Sie mir schicken, um anschließend ins Gespräch zu kommen.

 

In welcher Hinsicht gehen sie einen anderen Weg als ihre Vorgängerin?


Anders als meine wunderbare Vorgängerin Ruth Gerbracht aus Bremen fungiere ich nicht als Gleichstellungsbeauftragte. Natürlich bin ich für alle da, die wegen ihres Geschlechts diskriminiert werden oder sogar Gewalt erfahren. Das betrifft noch immer vor allem Frauen im Sportjournalismus. Aber Diskriminierung hat viele Gesichter, so dass ich das Feld etwas größer stecken möchte, z. B. bei Themen wie Machtmissbrauch oder Altersdiskriminierung. Auch habe ich aufgrund der Erfahrungen professioneller Beratungsstellen entschieden, dass wir künftig keine Telefon-Hotline mehr anbieten, sondern eine E-Mail-Adresse. Der überwiegenden Mehrheit der Betroffenen fällt es leichter, Ihre Sorgen schriftlich zu formulieren als Sie einer Fremden am Telefon zu erzählen.

 

Was können der VDS und seine Regionalverbände tun, um Diskriminierung und sexualisierter Gewalt im Sportjournalismus einen Riegel vorzuschieben?


Zuallererst: Die Mitglieder für das Thema sensibilisieren und Aufmerksamkeit erzeugen. Missbrauch und Gewalt gibt es in der Regel im Verborgenen.

 

 Kontakt :


Die Fragen an Kerstin von Kalckreuth stellte Ralph Durry

 

 

 

 

 

 

 

 

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