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  • rweitbrecht

Mit 75 auf der Höhe der Zeit - Hinter Walter Mirwalds Kürzel verbirgt sich die Liebe zum Sport




 


Schon dieser eine Kalauer begleitet ihn sein Leben lang. „Walter, Dein Text beginnt mal wieder weltmeisterlich.“ Walters Antwort: „Wer mit dem Kürzel 'WM' anfangen darf, kann ja gar nicht anders schreiben.“ Anekdoten über ihn würden Bücher füllen, denn hinter seinem Kürzel „WM“ verbirgt sich die Liebe zum Sport.

 

„Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit.“ Diesen Satz hat Walter Mirwald in viele seiner Reden eingebaut, um auszudrücken, dass Interesse an Neuem, der Mut zum Wandel, sowie die Fähigkeit, sich selbst zu verändern, wichtige Triebfedern waren und weiterhin sind. Seit mehr als 60 Jahren. Für wen? Für Menschen, Organisationen, Unternehmen und die Gesellschaft überhaupt. Treffend hat er sich gleichermaßen damit selbst beschrieben: Der sehr gut vernetzte und stets neugierige Walter ist für Familie, Freunde und Kollegen auch in seinem Alter weiterhin ein mitreißender Weggefährte.


Mirwald spürt als früherer Sportredakteur und als langjähriger Pressesprecher des Deutschen Sportbundes (DSB) die Kraft des Sports, kennt dessen Rolle in der Gesellschaft. Gerade auch nach der Wende sieht er den Sport als Lokomotive, unter anderem mit dem für Spätaussiedler konzipierten DSB-Programm „Integration durch Sport“. Nach dem Mauerfall hat er als Pressesprecher die Aufgabe, in den neuen Bundesländern für Breitensport zu werben, bei Menschen, die mit einem staatlich gelenkten Sport und in gänzlich anderen Strukturen groß geworden sind. Dort gilt es, einen Sport zu propagieren, der mehr als nur Medaillenzählerei ist, mit gesellschaftspolitischen Ansprüchen. Schwerpunkt ist „Im Verein ist Sport am schönsten“ als Folge der Trimm-Dich-Breitensportaktion des Deutschen Sportbundes. Dazu kommen das Deutsche Sportabzeichen, die Integration durch Kirche und Sport, Sport und Gesundheit, vor allem die Beachtung des Schulsports.

 

Gedächtnis des Sports

Dafür steht zu diesem Zeitpunkt DSB-Präsident Hans Hansen, der Mirwald aus dem Tageszeitungs-Journalismus ins Haus des Sports in die Otto-Fleck-Schneise am Frankfurter Stadtwald geholt hatte. Und dafür steht im Anschluss auch Manfred von Richthofen, der 1994 auf Hansen folgt und der den DSB mit dem Nationalen Olympischen Komitee im Jahr 2006 zum Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) zusammenführt. Mit beiden Präsidenten durchlebt Walter Mirwald bewegte und bewegende Zeiten. Seine letzten Fußstapfen beim DOSB hinterlässt er mit dem Aufbau „Gedächtnis des Sports“, bis seine Altersteilzeit 2010 beginnt.

 

Walter Mirwald, Jahrgang 1949, feiert seinen 75. Geburtstag am 2. Juli nun dort, wo er verwurzelt ist, als nach wie vor hochaktiver Reporter, der alles beschreibt, was für seine Gemeinde wichtig ist, in Sulzbach am Taunus vor den Toren Frankfurts, seinem so geliebten Zuhause. Dort wissen sie, was sie an ihm haben: Als Mann der Fastnacht ebenso geschätzt wie als Mitorganisator beim Sulzbacher Volkslauf, der guten Zwecken dienen soll und immer wieder prominente Gäste nach Sulzbach einlädt, wie zum Beispiel Schwimm-Olympiasieger Michael Groß oder Turner „Ebse“ Gienger.

                                                                                                   

Als Journalist ist er ein Seiteneinsteiger, kommt spät in seinem Traumberuf an. Denn nach der Volksschule in Sulzbach, er ist noch nicht 14 Jahre alt, absolviert er auf dringende Empfehlung der Mutter eine Lehre als Großhandelskaufmann, obwohl ihn journalistische Größen wie Harry Valerien oder Heinz Maegerlein längst faszinieren. Erste Berichte schreibt er über seine Lieblingssportart Turnen, veröffentlicht im Sulzbacher Wochenblättchen.

 

Der Weg zum Redakteur ist steinig. Nach der Lehre holt er die Mittlere Reife nach, dann schnappt ihm jemand das verlockende Volontariat beim „Höchster Kreisblatt“ vor der Nase weg, aber der Redaktions- und Geschäftsstellenleiter verpflichtet ihn für kaufmännische Aufgaben im Vertrieb und in der Anzeigenannahme, zumindest in der Nähe der Redaktion. Für das Lokale berichtet er über das Sommerfest des Sulzbacher Schäferhundevereins, Turnberichte folgen, hautnah erlebte Polizeiberichte ebenso. Das Volontariat bietet sich dann doch an, Ende der sechziger Jahre, beim „Kronberger Anzeiger“, wo sich die Arbeit türmt und Mirwald gleich im Büro auf der Luftmatratze die Nacht verbringt. Pflichtbewusst und unglaublich engagiert.

 

Denke global, arbeite lokal

 

Da der „Anzeiger“ mit anderen Taunusblättchen von der Muttergesellschaft, der „Frankfurter Neuen Presse“, aufgekauft wird, kommt Mirwald 1970 als erster Sportredakteur der „Taunus-Zeitung“ wieder unter dasselbe Dach wie schon beim „Höchster Kreisblatt“. Nach einem Intermezzo mit verkürzter Grundausbildung bei der Bundeswehr und einer Verwendung in der Redaktion des „Soldaten-Kurier“ arbeitet er bei der „FNP“ von 1972 bis 1988 als Sportredakteur, ab 1979 als stellvertretender Ressortleiter. Die Olympischen Spiele 1972 in München erlebt er als Blattmacher in der Frankfurter Zentrale.

 

Bei Großereignissen im Turnen und in der Leichtathletik, wie der ersten WM 1983 in Helsinki, den Olympischen Spielen in Los Angeles 1984 oder der EM 1990 in Split mit dem letztmaligen Auftritt zweier deutscher Teams, ist er als freier Journalist vor Ort, teilt sich im damals noch bestehenden Jugoslawien das Zimmer mit einem ebenfalls freien Journalisten aus dem Ruhrgebiet, dem in Köln Sport studierenden Eike Schulz. Unter dem Kürzel „mid.“ bereichert er den Rhein-Main-Sport der FAZ. Dann ereilt ihn der Ruf des DSB.

 

Die Zahl der von Mirwald bekleideten Ehrenämter ist groß, die Liste der Themen, die ihn begeistern, lang. Von Mitte der siebziger Jahre an leistet er mit Verve Vorstandsarbeit im VFS, 1993 wird er Nachfolger von Erich Laaser als Vorsitzender des VFS. Dem Deutschen Sportpresseball und der vereinseigenen Wohnung in Berchtesgaden widmet er viel Zeit und Liebe; ebenso den mittlerweile eingestellten traditionellen Weinabenden vom VFS. Sein weiteres Augenmerk: Die Aufnahme neuer, junger Mitglieder. Mehr als ein Vierteljahrhundert steht er an der Spitze des Vereins Frankfurter Sportpresse, dessen Ehrenvorsitzender er mittlerweile ist.

 

 

Beim Blick zurück sagt Mirwald, „dass sich von meinem Start als Sportjournalist um 1970 bis heute – vom Bleisatz über die Seitengestaltung der Redakteure am Bildschirm bis zum Digitaljournalismus – in diesem Berufszweig mehr verändert hat als von der Zeit Gutenbergs vor sechs Jahrhunderten bis 1970. Die Zeiten sind für Sportjournalisten radikal anders geworden.“

 

Eigentlich fehlt Walter Mirwald, der lokal gearbeitet, aber stets global gedacht hat, nur noch ein Amt in seiner Vita, Bürgermeister in Sulzbach zu werden. Warum nicht? Adenauer als Kanzler war älter!


Eike Schulz und Jörg Hahn





Bilder : A2 -Hartenfelser, metropress 

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