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Der Kümmerer - Harald Stenger, der Streiter für die gute Sache, wird tatsächlich 75 / Von Thomas Kilchenstein

  • ralfweitbrecht3
  • vor 20 Minuten
  • 4 Min. Lesezeit
Jubilar Harald Stenger bei der 75-Jahre-Schlappekicker-Feier im Römer                                      Foto: Rolf Oeser
Jubilar Harald Stenger bei der 75-Jahre-Schlappekicker-Feier im Römer Foto: Rolf Oeser

Eigentlich ist es nicht zu glauben, dass dieser umtriebige, rastlose Kerl am 13. Februar 75 wird. Da sitzen andere in gemütlichen Puschen im Lehnstuhl, die Fernbedienung in der Hand, die Cracker auf dem Beistelltischchen. Aber irgendwie hätte man es merken können, etwa beim jüngsten Benefizspiel der Eintracht-Traditionself in Walldorf zugunsten des FR-Schlappekickers, im vergangenen Spätsommer war das, übrigens mit Frankfurts OB Mike Josef im Mittelfeld. Da gab doch allen Ernstes die Flutlichtanlage unmittelbar nach dem Pausentee den Geist auf.


Das wäre dem Harald Stenger früher, sagen wir ein Jahr zuvor, niemals passiert, so eine Unverschämtheit hätte sich das Licht niemals erlaubt, niemals. Gut, später blitzten die Lampen nochmals kurz auf, die Partie gegen die Ü 40-Auswahl von Rot-Weiß Walldorf konnte mittels Elfmeterschießen ordentlich und mit dem standesgemäßen Sieg der Tradi-Elf beendet werden. Und dem Gelingen des Abends tat die kleine Panne ohnehin keinen Abbruch mehr, zumal dann im Zelt mehr Zeit für die dritte Halbzeit blieb.


Hans Dampf in

den meisten Gassen


Ja, der Harald Stenger, dieser Hans Dampf in den meisten Gassen, wird tatsächlich 75. 75 Jahre, man muss sich das mal auf der Zunge zergehen lassen. Und noch immer gibt der Mann keine Ruhe, lässt keinen in Ruhe. Frage nach bei Karl-Heinz Körbel von der Eintracht, zudem Schirmherr des Schlappekickers, oder beim Vorsitzenden Arnd Festerling, die könnten was erzählen. Tun sie aber nicht, dafür ist keine Zeit, längst haben sie genug damit zu tun, all die Aufgaben zu erfüllen, die ihnen Harald Stenger so en passant aufgegeben hat. War ja auch eine Menge zu bedenken, zu planen, zu managen, zu regeln, zu bedenken, zu organisieren, zu machen und zu tun angesichts der Feierlichkeiten zum 75. Bestehen des Schlappekickers, der Erfolgsgeschichte der FR. Aber beim Stenger war alles in besten Händen, dem ewigen Streiter für die gute Sache: Er hat ja als Zweiter Vorsitzender dieser traditionsreichen Aktion mit neuen Ideen wieder frischen Schwung verpasst, und die Rede im Kaisersaal des Römers hielt natürlich er. Hätte kein anderer besser gekonnt.


Nein, der Stenger ist nicht klein zu kriegen, nicht von seinem Rücken, der winters außerhalb von saunaähnlichen Räumlichkeiten zuweilen zwickt, nicht vom Zahn der Zeit. Dazu bleibt einfach kein Raum, hier ist sein Rat gefragt, dort muss ein Projekt angeschoben, da soll eine Kolumne geschrieben sein, ein Interview gegeben werden, und wenn das Haus Heliand in Oberstedten in finanzieller Not kurz vor der Insolvenz steht, na ja, dann rufen sie halt den Stenger an, der seit Jahrzehnten mit dem Evangelischen Jugendwerk eng verbandelt ist und schon kommen die erforderlichen Gelder in sechsstelliger Höhe zusammen. Der Harald hat da ein paar Knöpfe gedrückt, Klinken geputzt, Gespräche geführt – und schon klappte es. Netzwerken heißt das heute, aber das hat Stenger immer so gemacht: da zu sein, wach zu rütteln, anzustoßen, was bewegen, vielleicht auch: einem auf die Nerven gehen, um etwas zu erreichen. Er ist weiterhin, wie die FR einmal über ihn schrieb, „eher Lokomotive als Anhänger.“ Weil er halt nach einer simplen Devise lebt: „Resignieren gibt´s nicht. Mutiges Engagement ist gefragt.“


Eher Lokomotive

als Anhänger


Genug zu tun hat er weiterhin, er ist engagiert wie eh und je, und still ist er ohnehin nie. Der gebürtige Bornheimer ist sich in all den vielen Jahren treu geblieben. Und das heißt: nicht bequem sein, nicht pflegeleicht, zuweilen eckt er an. Er pflegt die klare Kante, man weiß, woran man ist bei ihm. So der so. Manchmal kann der Mann auch ganz schön anstrengend sein. Aber er ist und bleibt: ein Kümmerer.


Und seit mehr als 50 Jahren lebt er mit und im Fußball.


Als die Eintracht 1959 deutscher Meister wurde, hatte ihm die Mutter eine Fahne genäht, Klein-Harald, 8 Jahre damals, jubelte in der Kaiserstraße seinen Helden zu. Schon als Schüler schrieb er für die FR. Bald war er Redakteur, er schrieb über Fußball (und Tischtennis), über die Eintracht, die Bundesliga, über Europa- und Weltmeisterschaften, die Nationalelf sowieso, die Oberliga Hessen, über Gott und die Welt, von 1971 bis 2000. Fundiert ohnehin, denn der Südfrankreich-Liebhaber, längst in Rosbach heimisch geworden, war und ist allemal bestens informiert.


Über seinen Schreibtisch in der FR liefen bald 31 Jahre viele Fäden zusammen, Stenger hing viel am Hörer ("Mit schönen Grüßen von Haus zu Haus"), bald reichte ihm ein Telefon nicht aus. Natürlich trug er schon damals ein Headset und im Redaktionsbüro manchmal sehr seltsame Hawaiihemden zu kurzer Hose. Alles klara.


Mediendirektor, Möglich-Macher

und nie aus der Fassung zu bringen


2001 wechselte der Bergfex zum DFB, er wurde Mediendirektor im Stadtwald. Es war, als werfe man einen Fisch ins Wasser. Das war sein Ding: organisieren, delegieren, in vorderster Front stehen, moderieren, Krisen managen, Lösungen finden, schaffen, machen, tun. Er war ein Möglich-Macher und nie aus der Fassung zu bringen, wenn er bei den DFB-Pressekonferenzen oben auf dem Podium saß, deshalb hatte er den nett gemeinten Spitznamen „Buddha“ weg, manchmal nannten ihn die Kollegen auch gerne „Daily Stenger“ oder „Daily Harry“. Und einen eigenen Wikipedia-Eintrag hat er auch.


Der Abschied vom DFB 2012 war kein schöner, und Stenger hatte daran zu knabbern. Aber bald ist er wieder eingetaucht in die Arbeit, hat sich als Freelancer die WM in Brasilien gegönnt, war als Experte viel gefragt. Und die Verleihung des Herbert-Awards für seine Lebensleistung hat ihm auch gut getan. Ansonsten weiß der passionierte Saunagänger ganz gut mit seiner freien Zeit umzugehen. Up to date ist er sowieso. Und abseits der Kreidelinien, abends beim Äppler und/oder einem leckeren Essen, ist -ger-, so sein FR-Kürzel, ohnehin ein amüsanter, entspannter Gesprächspartner.


Und dieses Mal wird er seinen Ehrentag, anders als zum 70., als Corona selbst einen Stenger ausbremsen konnte, auch standesgemäß begehen. Wie es aus bestens informierten Kreisen heißt, hat der Jubilar die Festhalle in Frankfurt gemietet, so viele Gratulanten sollen sich angesagt haben.


Lecker Essen und ein gutes Tröpfchen: Harald Stenger, wie man ihn kennt..       Foto: Rita Fackel / A2 Fotoagentur
Lecker Essen und ein gutes Tröpfchen: Harald Stenger, wie man ihn kennt.. Foto: Rita Fackel / A2 Fotoagentur

 
 
 

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