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Zum 80. Geburtstag des langjährigen FAZ-Sportchefs Steffen Haffner


Guter Teamplayer und entschlossener Teamchef


In einem Interview mit dem Magazin des Verbandes Deutscher Sportjournalisten, „sportjournalist“, hat Roland Zorn auf die Frage „Wo beziehungsweise von wem haben Sie für den Beruf am meisten gelernt?“ einmal geantwortet: „In der FAZ von meinem früheren Ressortleiter Steffen Haffner, was die Fairness im Umgang mit Sportlern und die Teamplayer-Qualitäten gegenüber den Kollegen im Sportressort anging.“ Roland Zorn war lange als Stellvertreter und Fußball-Chef der FAZ einer der wichtigsten Mitarbeiter Haffners.

Steffen Haffner, dessen 80. Geburtstag am 28. Dezember zu feiern ist, gilt dieser Beitrag. Roland Zorn hat ihn gut beschrieben als „Teamplayer“, der andere immer förderte in ihrem „Spiel“. Aber Haffner konnte auch ein entschlossener „Teamchef“ sein, der stets vermittelte, wie „sein“ Sportteil sein sollte – unterhaltsam und ernsthaft; analytisch, aber nicht besserwisserisch; empathisch, jedoch nicht anbiedernd.

Steffen Haffner hat als Sportchef der Frankfurter Allgemeinen Zeitung nicht bloß den Sportteil der „Zeitung für Deutschland“, sondern als prägender Macher und Schreiber auch den ganzen Sportjournalismus in die Moderne geführt. 23 Jahre lang, bis Ende 2003, lenkte er die vielfach ausgezeichnete Sportberichterstattung der FAZ, und die angesehene Sonntagszeitung kam in seiner Ära auf den Markt.

2003 erschien, zu Beginn seines letzten „Amtsjahrs“, diese Meldung im Fachblatt „Horizont: „Das Sportressort der ‚Frankfurter Allgemeinen Zeitung‘ ist zum neunten Mal in Folge zur ‚Sportredaktion des Jahres‘ gewählt worden. Insgesamt wurde ihm der Preis zum zehnten Mal zugesprochen. Vergeben wird die Auszeichnung durch eine Jury des Branchendienstes ‚Sport intern‘. Als Begründung für die Wahl wurden hohe Sachkompetenz, Ausgewogenheit und solide Hintergrundinformationen genannt. Außerdem wurde der Leiter des ‚FAZ‘-Sportressorts, Steffen Haffner, zum ‚Sportjournalisten des Jahres‘ gekürt. Nach 1989, 1999 und 2001 wurde ihm diese Auszeichnung bereits zum vierten Mal zuteil.“

Das war verdient, aber noch nicht alles: Er wurde in der Dienstvilla des hessischen Ministerpräsidenten mit dem Verdienstkreuz am Bande geehrt. Haffner, der in einer für Verlage wirtschaftlich äußerst schwierigen Zeit auf eigenen Wunsch vorzeitig als Ressortleiter ausschied (um Jüngeren den Job zu erhalten), ist als Publizist und kritischer Beobachter des Sports weiter „am Ball“ geblieben, ohne sich jemals mehr in die Belange der FAZ einzuschalten.


Steffen Haffner mit Tennisspielerin Verena Fleckenstein (li) und VFS-Vorstandsmitglied Martina Knief Foto : Tietze

Beim „Olympischen Feuer“ (das in der Form nicht mehr erscheint) gehörte er lange zum Herausgeber-Gremium. Gerne hätte er Olympische Spiele noch einmal in Deutschland gesehen - 1993 lag sogar schon Champagner im Redaktions-Kühlschrank, aber Berlin scheiterte an jenem 23. September, als Sydney die Spiele 2000 zugesprochen bekam.

Die Rolle des Ressortleiters hat Haffner so definiert: Er sah sich nicht als Starspieler, sondern als Teamchef, der seine mitunter kapriziöse Mannschaft zusammengehalten und sie zu Erfolgen geführt hat. Innerhalb der Zeitung wuchs die Anerkennung für die von ihm geprägte Sportberichterstattung, die Fachlichkeit und Erzählkunst verband, seit den 80er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts kontinuierlich – und sie wurde ebenso von den Lesenden geschätzt. Der Journalist sollte dem Sport nahe sein, aber nicht aus der Fan-Sicht berichten. Und auch nicht als Verkäufer von Sportarten oder Events auftreten. Vor bald einem Vierteljahrhundert schon schrieb Haffner über TV-Berichterstatter: „Mit Journalismus hat das meist nichts mehr zu tun. Die Moderatoren sind selbst Showstars geworden, die gleich Marktschreier das teuer gekaufte Produkt ihres Senders hochzujubeln haben.“

Am 28. Dezember 1940 im schlesischen Liegnitz geboren, kam er mit der in den letzten Kriegsmonaten vertriebenen Familie über Zwischenstationen in Mitteldeutschland schließlich Mitte der fünfziger Jahre in den Westen. 1955 dann nach Frankfurt. Nach dem Abitur 1961, Wehrdienst und Kurzzeit-Studium konnte er schon bald seine Leidenschaft für den Sportjournalismus ausleben: Am 1. Dezember 1963 trat er in die seinerzeit kleine FAZ-Sportredaktion ein. Zusammen mit dem damaligen Ressortchef Karlheinz Vogel baute er den Sportteil erst auf. Der große Durchbruch gelang 1972 mit einer herausragenden, neue inhaltliche und optische Maßstäbe setzenden Berichterstattung über die Olympischen Spiele in München. 1980 folgte er Vogel als Leiter der Sportredaktion.

In diesem Corona-Jahr saß der vielfache Großvater wieder oft am Schreibtisch, um für seine alte FAZ zu schreiben, zum Beispiel über Hans Wilhelm Gäb (bei dessen Aufnahme in die „Hall of Fame des deutschen Sports“). Große Stücke widmete Haffner in einer FAZ-Olympiaserie (während der ausgefallenen Tokio-Spiele) in diesem Pandemie-Sommer seinen Erlebnissen 1972 in München (Titel „Leuchten und Dunkelheit“) und 1980 bei den Boykott-Spielen von Moskau („Im harten Griff der Politik“). Begeisternder Sport, Triumphe, Tragödien, Terror, Doping und Abstürze – er hat alles erlebt und kommentiert in seiner Laufbahn.

Harald Pieper, früherer DOSB-Medienchef und Macher des „Olympischen Feuer“, schrieb vor fünf Jahren: Haffner sei nach wie vor „gesellschaftspolitisch engagiert und sportpolitisch geradezu elektrisiert“. Daran hat sich (fast) nichts geändert. Haffner verfolgt mit wachem Blick die immer turbulenter werdende Welt des Sports, die sein ganzes Leben schließlich geprägt hat.

Jörg Hahn

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