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Monatszeitschrift „Deutsches Turnen“ eingestellt

Wolfgang Herder versteht die Welt nicht mehr. Der 82 Jahre alte Bad Homburger, ein langjähriger Wegbegleiter der deutschen Turnpublizistik, beklagt, dass die Monatszeitschrift „Deutsches Turnen“ (zuletzt „Turnmagazin“) zum Jahresende eingestellt wurde. Damit ging eine 164-jährige Tradition zu Ende. Wolfgang Herder war in den achtziger Jahren Redakteur des „Deutschen Turnen“, danach zwei Jahre dessen Herausgeber, zuvor Schriftleiter der „Turnerjugend“ und danach Pressewart des Deutschen Turner-Bundes.

Herders Kommentar: „Die allerletzte Printausgabe der Zeitschrift (28 Seiten einschließlich vierseitigem Umschlag) enthält neben zwei rechtfertigenden Beiträgen fünf ganzseitige Anzeigen, drei PR-Seiten und acht vom Bundesjugendministerium finanzierte Seiten. Selbst die Chance zur Veröffentlichung einer Retroperspektive - von 1856 bis heute - wurde vom DTB vertan. Den Vorgang halte ich als früherer Redakteur und Herausgeber von `Deutsches Turnen´ für skandalös.“ Herder hat reagiert. Aus seiner Enttäuschung heraus formulierte er folgende „Todesanzeige“.


Herders Aktion stieß auf Resonanz. So veröffentlichte Eckhard Herholz in seinem Internetdienst GymMedia einen Beitrag, in dem er „Deutsches Turnen“ als einen „jahrzehntelangen Impulsgeber und Dienstleister für Vereine“ bezeichnet. Die Gründe für das Ende sieht er so: „Tribut einerseits an die veränderten Bedingungen und digitalen Zwänge des modernen Informationszeitalters, nicht zuletzt aber auch beschleunigt als die unmittelbaren Folgen der vom zweitgrößten Sportverband Deutschlands selbst verschuldeten misslichen Finanzlage in immer noch defizitärer zweistelliger Millionenhöhe. Verschärfung erfuhr dies natürlich noch durch die Besonderheiten der aktuellen pandemischen Corona-Lage.“

Zu Wolfgang Herder schreibt Herholz: „Sein einst vergossenes Herzblut fürs

`Deutsche Turnen` autorisiert ihn nun als ein historischer Vertreter der aussterbenden Sparte der `Tintenturner` einen ganz besonderen Nachruf zu verfassen.“

Herder ist dem Verein Frankfurter Sportpresse seit langer Zeit verbunden und war auch Gast bei etlichen Veranstaltungen. Hier ein Ausschnitt aus seiner Vita: Von 1965 bis 1977: Redakteur "Olympische Jugend"; „turnerjungend + der ring“; Herausgeber und Redaktion „Deutsches Turnen“; Verlagslektor und stellvertretender Verlagsleiter im Limpert-Verlag; Redaktion von Olympia- und Fußball-WM-Bänden (u.a. Maegerlein, Thoelke, Kürten), Sportfachbücher und Zeitschriften, sportwissenschaftliche Publikationen, Mitherausgeber der Bildbände Deutsches Turnfest 1983 Frankfurt am Main und Hamburg 1994.


Walter Mirwald

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Verein Frankfurter Sportpresse

Der Verein Frankfurter Sportpresse (VFS) ist mit rund 360 Mitgliedern einer der größten von 21 Regionalvereinen innerhalb des Verbandes Deutscher Sportjournalisten (VDS). Journalisten aus dem Ballungsgebiet Frankfurt (u.A. Frankfurter Allgemeine Zeitung, Frankfurter Rundschau, Frankfurter Neue Presse, Hessischer Rundfunk), aber auch Pressesprecher der wichtigen Sportverbände in der Otto-Fleck-Schneise und Medienschaffende aus ganz Hessen (sowie einige ZDF-Redakteure aus Mainz) sind in dem Verein organisiert. Über uns...