• rweitbrecht

Pro Geisterspiele in Zeiten des Coronavirus


Volles Haus in Frankfurt. Das kann sich in Zeiten des Coronavirus ändern, schreibt Eike Schulz. Alle Fotos raw.

Die (Bundesliga)-Spiele sollen weitergehen? Ja, aber der Verzicht auf Zuschauer - als temporärer Moment - ist eine vernünftige Entscheidung. Warum? Damit unsere medizinische Grundversorgung nicht kollabiert. Hausärzte gehen jetzt schon an ihre Grenzen, weil Panik - als Wesensbild der Menschheit - in uns allen wohnt und mögliche Infizierte die Praxen besuchen und auch zeitweise „überfluten“. Dazu kommt Unsicherheit, Desinformation im Internet durch falsches Suchen und unverständliche Panikkäufe in Teilen der Bevölkerung.


Eine kleine Berechnung möchte ich dabei aufstellen: „Durchzieht“ die Infektion mit SARS-CoV-2 die Bundesrepublik, gehen Hochrechnungen von bis zu 70 Prozent von infizierten Personen aus. Das ist sehr hoch, spekulativ und zukünftig prognostiziert. Was dahinter steckt: Die Ansicht eines Schneeball-Effekts von Ansteckungen, die viele noch verharmlosen wollen. Aber: Wenn sich im „Kern“ einer Virus-Welle die Menschen nicht aus Vernunft und gesundem Menschenverstand für eine überschaubare Zeit zurückziehen, wann dann? Was heißt gesunder Menschenverstand?


Fußball lebt von Emotionen - und von der Stimmung, die von den Rängen kommt.

In Deutschland gibt es laut Berechnungen des Virologen Drosten 28 000 Intensivbetten. Davon seien 80 Prozent belegt. Die Gefahr: Wenn allein nur 100 000 Bundesbürger mit dem Coronavirus infiziert würden, davon 5 Prozent (anstatt prognostiziert 15 Prozent) schwer und intensiv (u.a. durch künstliche Beatmung) behandelt werden müssten, wäre eine Versorgung durch Intensivbetten noch garantiert. Was macht man aber bei einer Million von Infizierten und 50 000 schweren Fällen (also = 5 Prozent)? Wie geht ein Land damit um, wenn wir sogar 58 Millionen Infizierte (also 70 Prozent) hätten, dann kämen wir auf annähernd drei Millionen schwer Infizierte! Eine Mortalitätsrate habe ich extra herausgelassen. Also: Lieber jetzt Präventionsmaßnahmen annehmen. Dazu gehören auch mal Geisterspiele.



Bundesligaspiele ohne Zuschauer? Das ist längst keine Utopie mehr.

Die Vereine können sich - trotz drohender Verluste von Zuschauereinnahmen - glücklich schätzen, dass sie nicht mehr „nur“ einzig und allein davon abhängig sind. Und wenn trotzdem, ist es nicht abwegig, auch mal das Millionengehalt der fußballspielenden Profis für eine Zeit zu kürzen. Damit die Liquidität des Vereins weiterhin sichergestellt werden kann. Der Dortmunder Marco Reus hat mehr als eine halbe Million Strafe dafür einst zahlen müssen, dass er ohne Führerschein mit dem Auto gefahren ist. Soviel verdienen Fußballspieler! Tat ihm das weh? Ebenso gilt, dass die Politik jetzt zeigen kann, was sie imstande ist zu leisten, schnell, klar und vernünftig. Dazu gehört auch die Möglichkeit, eine zeitlich beschränkte Kürzung der Mehrwertsteuer (pro Prozentpunkt gehen Berechnungen von 10 Mrd. Euro aus) zu beschließen. Die Kraftfahrzeugsteuer könnte in einen temporären Hilfefonds umgeleitet werden, um kleine Betriebe, Messe-Organisatoren etc. vor einer Insolvenz zu bewahren.


In diesen Zeiten könnte sich Solidarität untereinander zeigen und mit einem eben beschriebenem, gesundem Menschenverstand füreinander. Verzicht für einen Moment, für unsere Gesundheit und ein Rückzug für eine kurze Zeit in die eigenen vier Wände. Auch dort kann man genießen, arbeiten und sich austauschen. Und noch eine Möglichkeit in unserem technisch hochausgestatteten Zeitalter: Lehrer könnten via Video-Konferenzen mit den Schülern Unterricht durchführen, wenn die Schulen geschlossen haben. Das schließt private Video-Konferenzen bzw. beruflich bedingte Konferenzen mit ein. Es gilt jetzt zu zeigen, wie dynamisch und innovativ man selbst ist, gar eine ganze Nation bleiben kann, trotz Coronavirus-Krise und Ängsten, um vernünftige, gesunde Entscheidungen zu treffen. Auch, wenn es für eine kurze Zeit Geisterspiele geben muss.



Frische und gesunde Luft in Frankfurt - frei von Viren?

Auch das ein Tipp: Einfach kommende Bundesligaspiele (wenn sie als Geisterspiele stattfinden) als Pay-Wall ins bezahlbare und damit öffentlich zugängliche Internet stellen: Gilt für alle Anbieter mit Geoblocking: 1 Euro pro Spiel für jeden Zuschauer als Fan. Was meinen Sie, was da trotzdem für ein Geld pro Spiel auf einen Schlag mal zusammen kommen würde!


Eike Schulz

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Der Verein Frankfurter Sportpresse (VFS) ist mit rund 360 Mitgliedern einer der größten von 21 Regionalvereinen innerhalb des Verbandes Deutscher Sportjournalisten (VDS). Journalisten aus dem Ballungsgebiet Frankfurt (u.A. Frankfurter Allgemeine Zeitung, Frankfurter Rundschau, Frankfurter Neue Presse, Hessischer Rundfunk), aber auch Pressesprecher der wichtigen Sportverbände in der Otto-Fleck-Schneise und Medienschaffende aus ganz Hessen (sowie einige ZDF-Redakteure aus Mainz) sind in dem Verein organisiert. Über uns...